Magazin

Stiftung Grundeinkommen

Wovon wir sprechen, wenn wir von einem Grundeinkommen reden

von Mansour Aalam,
Foto: © Getty Images

Ein wesentliches Grundprinzip unserer Gesellschaft ist die Überzeugung, dass wir Menschen selbst am besten wissen, was gut für uns ist. Es ist an der Zeit, zu erforschen, wie wir dieses Prinzip auch in der sozialen Absicherung verankern können.

14. November 2019

Wir vertrauen den Menschen – nur nicht bei der sozialen Absicherung

Wir vertrauen darauf, dass Bürgerinnen und Bürger die komplexen Zusammenhänge der Politik verstehen und bei einer Wahl eine kluge Entscheidung treffen. Das Fundament unserer sozialen Marktwirtschaft besteht auf der Annahme, dass wir als freie Kunden durch unsere Entscheidungen die besten Produkte und Dienstleistungen finden und belohnen.

Bei der sozialen Absicherung setzen wir dieses Prinzip grundlos außer Kraft. Wir als Stiftung Grundeinkommen sehen ein großes Potenzial darin, auch hier auf Vertrauen zu setzen. Menschen sollten frei von existenzieller Angst entscheiden können, wie sie ihr Leben gestalten möchten.

In den Unternehmen haben wir diesen Weg schon längst eingeschlagen. Wir sehen, dass Strukturen, die beteiligen und ermächtigen, zu höherer Zufriedenheit, Integration und Produktivität führen. Es ist an der Zeit zu erforschen, wie wir diesen Paradigmenwechsel auf die soziale Absicherung übertragen können. Schritt für Schritt – und basierend auf wissenschaftlichen Erkenntnissen.

Doch geht es nicht nur darum, eine menschenwürdige Existenz abzusichern. Die Zukunft unserer Gesellschaft liegt in der Kreativität und der Klugheit von uns allen. Mehr denn je profitieren wir als Gesellschaft heute davon, wenn wir die Chance bekommen, finanziell unabhängig unser volles Potenzial zu entfalten. So können wir uns Aufgaben widmen, mit denen wir uns identifizieren, und können uns trauen, auch unübliche und ungewöhnliche Wege zu gehen. Niemand sollte mehr unzufrieden in seinem Job festhängen müssen, weil er oder sie Angst davor hat, etwas Neues auszuprobieren. Das Grundeinkommen hat für uns das Potenzial, den Menschen die Gestaltungsmöglichkeit für ihr Leben in die eigenen Hände zu legen.

Die Menschen sollten frei von Angst in ihrem Leben entscheiden können, was das Beste für sie ist

Deshalb untersuchen wir als Stiftung Grundeinkommen objektiv und ergebnisoffen Wirkung und Umsetzbarkeit eines Grundeinkommens. Dafür ar­beiten wir mit Part­nern aus Wis­senschaft und Forschung und brin­gen sie mit un­serem Net­zw­erk aus Ini­tia­tiven und poli­tis­chen Ak­teuren zusam­men. Wir se­hen uns als Beschle­u­niger und Er­möglicher und wollen dabei helfen, aus Frag­menten mehr entste­hen zu lassen als die bloße Summe der einzel­nen Teile.

So möchten wir zu einer fundierten Diskussionsgrundlage beitragen. Auf dieser Basis kann die Gesellschaft eine für sie wichtige Debatte führen und im politischen Prozess Entscheidungen treffen.

Vieles wird auch davon abhängen, welche Antworten wir auf die Fragen unserer Zeit geben: Wie wollen wir als Gesellschaft mit der technologischen Entwicklung umgehen? Werden wir neue Technologien, künstliche Intelligenzen oder die Digitalisierung dazu nutzen, so viele Menschen wie möglich an den daraus entstehenden Chancen zu beteiligen? Oder werden wieder nur einige wenige davon profitieren?

 

Podcast

Auch interessant

Gute Arbeit

“Menschen möchten mehr von Arbeit haben als das bloße Einkommen“

Wann empfinden Menschen Arbeit als sinnvoll – und wann leiden sie unter ihr? Ein Interview mit dem Arbeits- und Organisationspsychologen Bernad Batinic.

Über Utopien

Höhere
Hochstaplerei

Warum es trotz allem sehr vernünftig ist, utopisch nach vorne zu schauen.

Schlechte Arbeit

Unterforderung als Systemkritik

Jeder Einzelne, der seine Arbeit als sinnlos empfindet, ist auch ein Problem für uns als Gesellschaft. Denn schlechte Arbeit schadet uns allen. Ein Essay.