Briefing #01

Verdeckte Armut – warum die Grundsicherung zu kurz greift

Veröffentlicht: 04/2021
Ansprechpartnerin: Dr. Andrea Paulus

Die Nicht-Inanspruchnahme von Grundsicherung stellt ein großes Problem dar: Sie führt zu verdeckter Armut, sozialer Ungleichheit und indirekt sogar zu verringerten Regelsätzen für alle. Unsere Wissenschaftlerinnen Dr. Andrea Paulus und Anna Oostendorp haben untersucht, warum Menschen auf nötige finanzielle Unterstützung verzichten, und wie ein Grundeinkommen zur Lösung des Problems beitragen könnte.

Alle Ergebnisse finden Sie in unserem Briefing #01: Nicht-Inanspruchnahme von Grundsicherung – Zahlen, Gründe und Lösungsvorschläge.

Hier die wichtigsten Befunde:

• Nach aktuellem Stand der Forschung wird von einer Nicht-Inanspruchnahme für ALG II zwischen 35% und 48% und für Grundsicherung im Alter zwischen 57% und 63% ausgegangen.

• Die Rate der Nicht-Inanspruchnahme variiert in Abhängigkeit von demographischen und sozialen Merkmalen der Leistungsberechtigten.

• Als Gründe werden Informationsdefizite, eine aufwendige Beantragung und das mit dem Leistungsbezug verbundene Stigma angeführt.

• Evidenz für die Gründe findet sich in allgemeinen Befragungen, indirekt in den unterschiedlichen Raten der Nicht Inanspruchnahme und in Experimenten.

• Eine vereinfachte und digitale Bewilligung von Leistungen könnte den Gründen für die Nicht-Inanspruchnahme teilweise entgegenwirken. Ein automatisch gewährtes Grundeinkommen würde jedoch eine vollständige Inanspruchnahme von Leistung ermöglichen. Zusätzlich wäre es plausiblerweise auch wirksam gegen die generelle Stigmatisierung von Leistungsbezug.